Was die Kleider drunter tragen
Preisgekrönter Pressebericht über Moch Figuren in der FAZ

 


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Schüler des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums erhielten ihre Auszeichnung in Berlin. Bilder: privat


Stadt Gießen 21.09.2006
Spitzenreiter bei "Jugend und Wirtschaft"
Landgraf-Ludwigs-Gymnasium wird zum zweiten Mal bei bundesweitem Wettbewerb ausgezeichnet - Preis für Elena Nass

GIESSEN/BERLIN (fm). Das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) ist Spitzenreiter im bundesweiten Wettbewerb "Jugend und Wirtschaft", den die Frankfurter Allgemeine Zeitung und der Bundesverband deutscher Banken alljährlich durchführen. Teilnehmen können 60 ausgewählte Schulen aus der ganzen Bundesrepublik. Von den pro Wettbewerb mehr als 900 eingereichten Artikelentwürfen mit wirtschaftlichen Schwerpunkten werden jeden Monat fünf sehr gut gelungene Texte auf der "Jugend und Wirtschaft"-Seite der FAZ abgedruckt. Laut Studiendirektor Josef Kaiser, dem betreuenden Gemeinschaftskundelehrer, haben die teilnehmenden 12 Leistungskurs- und 20 Grundkursschüler bereits in Stufe 12 mit der Arbeit an ihren Artikeln begonnen. Von 65 eingereichten Entwürfen sind neun in den bisher erschienenen neun FAZ-Ausgaben abgedruckt worden. Andere wurden in der vierteljährlich erscheinenden "Kleine Zeitung" veröffentlicht. Zur gestrigen Preisverleihung waren 21 Oberprimaner zusammen mit Kaiser und LLG-Direktor Dr. Manuel Lösel in das Berliner FAZ-Haus eingeladen worden. Als eine der drei besten Autorinnen und Autoren erhielt die 18-jährige LLG-Schülerin Elena Nass aus Alten-Buseck einen Multimedia-Laptop. Außerdem ging einer der drei Schulpreise in Höhe von 5000 Euro an das LLG. Die Einrichtung ist damit die erste Schule in Deutschland, der dies zum zweiten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs gelungen ist. "Damit führen wir die Liste der drei besten am Wettbewerb teilnehmenden Schulen an", freute sich Kaiser bei einem Pressegespräch vor der Abfahrt nach Berlin, wo der Vorstandsvorsitzende der Thyssen Krupp AG, Dr. Ekkehard D. Schulz, gestern die Festrede hielt. Heute wird die Gießener Gruppe noch von Bundestagsvizepräsident Dr. Hermann Otto Solms im Bundestag empfangen.
Genaues Studium der FAZ, die alle teilnehmenden Schüler ein Jahr lang kostenlos beziehen, schult den Blick für die Wirtschaftsaspekte eines Themas, sagt Nathalie, die das Thema "Tagesmütter" journalistisch behandelt hat. Vielfalt und Originalität kennzeichnen die von den LLG-Schülern vorgelegten Arktikelentwürfe.
Ob Digitalradio, Getreideverbrennung, Online-Scheidung, Markt für Vaterschaftstests, "Chilled Food" oder "Guerillamarketing" - die Liste der Themen ist nach oben offen. Beim Recherchieren mittels Internet und mit bundesweiten Telefonaten, bei Interviews und zahllosen Kontaktversuchen - immer lernen die Schüler "Schlüsselqualifikationen". "Sie können mit gestärktem Selbstbewusstsein ein Studium oder eine Berufstätigkeit aufnehmen", betont Kaiser. Die Mühen der Informationsbeschaffung kennt auch Elena Nass, von der sogar zwei Artikel in der FAZ veröffentlicht wurden. "Auch der Hörfunk hat Visionen. Das Radio soll digital werden. Die Briten liegen weit vorne" war ihr erster Text betitelt. Preiswürdig erschien der Jury ferner ihr Beitrag "Was die Kleider drunter tragen. Schaufensterfiguren gehen mit der Mode." Darin beschreibt sie detailliert die in Köln ansässige Firma Moch Figuren GmbH. "Das Familienunternehmen ist der letzte handwerkliche Hersteller von Schaufensterfiguren in Deutschland, der den Billigimporten aus Italien und Asien standhält."
"Für mich ist es etwas ganz Besonderes, wenn die Schule in der FAZ erscheint", freute sich Manuel Lösel. Seinen Dank für das "außergewöhnliche" Engagement Josef Kaisers und seiner Schülergruppe verband er mit der Bemerkung: "Ihr seid Vorbilder für die Kleinen und deren Eltern, und deshalb seid Ihr auch wichtig für die Schule."

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Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Jugend und Wirtschaft

Donnerstag, 7. September 2006, Nr. 208 7 Seite 19


Schüler schreiben: Ein Projekt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und des Bundesverbandes deutscher Banken

Was die Kleider drunter tragen
Schaufensterfiguren gehen mit der Mode

Sie sind die am schlechtesten bezahlten Models der Welt und tragen doch die teuersten Designerstücke. Schaufensterfiguren sind allgegenwärtig und dienen einem einzigen Zweck: Sie sollen den Kaufwillen der Schaufensterbummler wecken.
Dies liegt im Interesse großer Kaufhäuser, aber auch einzelne Bekleidungsfirmen brauchen sie. Je nach Ausstellungsfläche benötigt ein Warenhaus zwischen 50 und 200 Figuren, da die Modelle je nach Saison und Aktion eingesetzt werden. So verfügt die Karstadt-Filiale auf der Frankfurter Zeil über 100 Schaufensterfiguren und 150 Torsi und zahlt für die Anschaffung 700 bis 1000 Euro je Stück. Die jährlichen Reparaturkosten belaufen sich nach Angaben des Leiters der Schauwerbeabteilung Horst van Ingelgom auf etwa 5000 Euro. In der größten Filiale der Galeria Kaufhof in der Kölner Hohe Straße stehen sich täglich laut Steffen Kern, Pressesprecher der Kaufhof Warenhaus AG, 240 der ingesamt 260 Figuren die Beine in den Bauch.
Die lebensgroßen Puppen sind nur noch selten handwerklich gefertigt. Sie werden mittlerweile fast ausschließlich als Massenprodukt hergestellt. Weltweit werden laut Walter Knapp, Präsident der European Display Organisation, jedes Jahr 1,4 bis 1,8 Millionen Königinnen der Schaufenster produziert. Mindestens 300 000 tragen derzeit in deutschen Verkaufsräumen zur Schau, was der Modemarkt hergibt.
Etwa ein Zehntel von ihnen stammt aus der Werkstatt der Moch Figuren GmbH. Das Familienunternehmen ist der letzte handwerkliche Hersteller von Schaufensterfiguren in Deutschland, der den Billigimporten aus Italien und Asien standhält. 1907 in Düsseldorf gegründet von Franz Moch, dem Großvater des heutigen Geschäftsführers Josef Moch, und damit nur wenige Jahre nach dem Beginn der fabrikmäßigen Produktion in Großstädten wie Paris, Brüssel und Berlin, hat der Betrieb seinen Sitz seit 1954 im Kölner Stadtteil Rodenkirchen. Moch kooperiert seit den siebziger Jahren mit Betrieben in Italien und Taiwan, wo er für Großaufträge einen Teil der Körper produzieren läßt - das ist etwa 60 Prozent günstiger als in Deutschland. Docli nicht nur die Kosten sind entscheidend. „Umweltauflagen und Arbeitsstandards machen eine Produktion hierzulande undenkbar", sagt Moch. Es sei unmöglich, in Deutschland qualifizierte Kräfte zu finden, die solche Näharbeiten übernehmen, wie sie bei der Figurenfertigung nötig seien. Prototypen, Sonderanfertigungen und sämtliche Köpfe der Puppen läßt er allerdings in Köln anfertigen. In der Produktionshalle, die Büro,


Figurenbetont, aber etwas bleich
Foto: ddp

Präsentationsraum, Werkstatt und Lager in einem ist, sind 15 Mitarbeiter beschäftigt, zu Modemessezeiten kommen einige Aushilfen hinzu. In Handarbeit entstehen die acht Kilogramm schweren, 300 bis 600 Euro teuren Figuren, die meist aus Fiberglas bestehen. Im Jahr verkauft Moch etwa 3000 komplette Figuren und 1000 Torsi an Geschäfte, Museen, Film, Theater und an Planungsbüros für Ladendesign.
Neben Standardmodellen werden auch Sonderanfertigungen für Übergrößen oder Kindermode in Auftrag gegeben. Hierbei schlagen sich einfache Modifikationen wie individuelles Make-up oder eine spezielle Hautfarbe kaum im Preis nieder.
Wünscht ein Kunde ein völlig neues Gesicht, werden dafür etwa 1500 Euro fällig; die Neuentwicklung einer kompletten Figur kostet rund 5000 Euro. Das geschieht allerdings selten. Die größte Nachfrage besteht nach Standardmodellen aus dem Programm. Die Modelle 422 und 433 kosten mit einem Kopf nach Wahl aus dem Sortiment 590 Euro. Sie werden ständig angepaßt. „Als im Sommer Stegsandalen im Trend lagen, mußte auf Kundenwunsch zwischen den Zehen einiger Figuren eine Lücke eingefügt werden, damit sie die Sandalen tragen konnten", berichtet Moch.
Schaufensterfiguren sollen nicht nur den Charakter eines Unternehmens widerspiegeln, sie sind auch so vielfältig wie die Kulturen, denen sie entstammen. Während deutsche Figuren oft weiß sind oder eine natürliche Hautfarbe besitzen, fallen britischen Schaufensterbummlern häufig grell geschminkte Mannequins ins Auge. Südeuropäische Modelle wiederum sind meist blaß gräulich gepudert, berichtet Moch und schätzt das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Figuren auf 60 zu 40.
Da die Puppen eine Lebensdauer von

bis zu 30 Jahren haben, ist es wichtig, sie so zu konstruieren, daß sie sich in Haltung und Ausdruck an Trends anpassen lassen. Auch ihre Maße ändern sich im Laufe der Zeit. Finnische Forscher verglichen in einer Studie Schaufensterfiguren aus den vergangenen 80 Jahren und berechneten ihren „Fettanteil". In den fünfziger Jahren entsprach dieser noch dem einer gesunden Frau.
Heute ist er so niedrig, daß normale Körperfunktionen nicht mehr möglich wären. Im Vergleich zur lebendigen Durchschnittsfrau sind die Hüften 13,5 Zentimeter schmaler, die Oberschenkel etwa 10 Zentimeter dünner. Schaufensterpuppen ähneln häufig den Idolen ihrer Zeit. In den dreißiger Jahren diente Greta Garbo als Vorbild, in den fünfziger Jahren waren Brigitte Bardot und Elvis Presley das Maß der Dinge. Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war der „Wohlstandsbauch" modern, bevor man sich in den Sechzigern wieder an schlanken Vorbildern wie Twiggy orientierte. „Senioren-Schaufensterpuppen" wurden erstmals im Februar 2005 auf der Leitmesse für Handelsinvestitionen, der Euroshop, vorgestellt.
Moch übernimmt auch Renovierung und Reparatur. Der Preis für eine Grundrenovierung inklusive neuem Make-up bewegt sich mit 120 Euro im Bereich einer Behandlung im Kosmetiksalon um die' Ecke. Zwei Millionen Euro erwirtschaftet, das Kölner Unternehmen jährlich. In den letzten Jahren stagnierte der Umsatz. „Übermäßige Gewinne machen wirr nicht", meint Moch. Aber da die Großproduktion in Taiwan stattfinde, sei man in Köln nun stärker designerisch orientiert. „Neben allem Kaufmännischen werden bei uns Begriffe wie Trend, Zeitgeist, Kulturgeschichte und Modegespür großgeschrieben", sagt Moch.

 

 


ELENA NASS

Sie erhielt dafür einen ersten Preis, den sie im September dieses Jahres in Berlin entgegennahm.