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Modegeheimnis
Warum auch Puppen altern - und zunehmen
Sie haben eine tolle Figur, tragen die neuesten Klamotten und
klagen nie: Schaufensterfiguren sind die wahren Supermodels. Noch immer haben
sie in der Modewelt sichere Arbeitsplätze – auch wenn sie sich über die Jahre
sehr verändern mussten.
Zeitlos schön eine Schaufensterfigur von 1947
Erst Anfang des Jahres wurden Schaufensterpuppen
in Spanien zu ein paar Kilo mehr verdonnert. So wollen Firmen wie Zara und Mango
gegen Magersucht ankämpfen. Size-Zero à a la Beckham ist nun tabu, Figuren im
Heroin-Chic sollen durch Puppen mit mindestens Größe 38 ersetzt werden.
Was für eine Ehre für den Berufsstand der
Schaufensterpuppe! Die Aktion der Modefirmen mit dem spanischen
Gesundheitsministerium zeigt schließlich, dass auch im Zeitalter der echten
Supermodels den Plastikfiguren noch immer eine Vorbildfunktion zugesprochen
wird. Und wie sehr Mannequins – so nennen Hersteller ihr Produkt am liebsten -
den Zeitgeist ausdrücken.
Die Figuren müssen nicht nur zunehmen, auch
Altern steht auf dem Programm. Pionier ist hier vor allem C & A.
Geheimratsecken, lichtes Haar, kleine Fältchen und extra Pfunde sollen die
Realität widerspiegeln. In 15 Filialen werden die so genannten Best-Ager-Puppen
ausgestellt, in 100 gibt es bereits XL-Figuren. „Wir wollen mit der
Bevölkerungsentwicklung gehen. Es wäre fahrlässig, wenn man Menschen mit
größeren Maßen vernachlässigen würde“, sagt Hermann Joerg, Leiter der Abteilung
„Visual Merchandising“ bei C&A in Düsseldorf. Und: „Alt und dick ist nicht
gleich hässlich“.
Figuren wie aus dem Fitnessstudio
Andere Figuren sind dafür umso muskulöser. So
erklärt der Kölner Figurenproduzent Josef Moch: „Unsere Schaufensterfiguren sind
heute gut gewachsen, sehen aus, als ob sie aus dem Fitnessstudio kommen. Sie
sollten die Lebensmitte noch lange nicht überschritten haben.“ Auf junge Kunden
zielt auch noch ein anderes Puppensegment: Ethno-Figuren. Sie gehören
mittlerweile zum Standardsortiment der Hersteller. Gab es früher fast nur
Mannequins mit afrikanischem Aussehen, sind heute alle Hautfarben vertreten.
„Das liegt nicht daran, dass wir in Deutschland so multikulti sind“, sagt Moch.
„Dadurch wollen Geschäfte einfach weltläufiger wirken.“ Und cooler.
Cool sein ist so wichtig, dass die Puppen über die
Jahre immer ernster wurden. „Lächelnde Figuren wirken naiv, sind nicht cool.
Wenn, dann sollte es ein überlegenes Lächeln sein“, erklärt Moch. Damit gelten
für die Puppen die gleichen Regeln wie für echte Models, die gemeinhin auch sehr
ernst über den Laufsteg schreiten.
Es lohnt sich, beim Schaufensterbummel genauer
hinzugucken. Da ist auch zu sehen, was der Accessoires-Boom mit den Puppen
angerichtet hat. Etliche Modelle werden nun nämlich mit angewinkelten Armen
geliefert – um so die schönen neuen Handtaschen präsentieren zu können. Der
italienische Figurenhersteller La Rosa wiederum reagierte vor ein paar Jahren
auf den Flipflopboom - und schuf zwischen den Puppenzehen Platz.