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Eberhard Gebauer: Warenhäuser als Schaufenster menschennaher Shopping-Kultur

aus „100 Jahre Moch Figuren“, Festschrift zum 100-jährigen Bestehen 2007

Das Warenhaus als Beitrag zur ökologisch ausgerichteten Innenstadt

von Eberhard Gebauer

Wenn es die Idee der Stadt nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Das Miteinander von Spiel und Sport, Kirche, Kunst und Kultur, Handel und Hotellerie, Gartencafés und Gastronomie, Shopping und Dienstleistung, Wohnen und Arbeiten, Rat- und Ärztehaus, Messen und Märkten schafft Mannigfaltigkeit und Lebensqualität, Attraktivität und Zentralität.

Lichtdurchflutete Kuppel in der Galeria Kaufhof, Berlin Alexanderplatz

Innenstädte sind Grundlage von Lebensqualität, gemeinschaftlichen Zusammenlebens und sozialer Beziehungen. Dieses auch für die kommenden Generationen zu erhalten, ist ein Gebot über die Stunde hinaus.

Eine Stadt kann auf ihre Stärken von Original und Persönlichkeit, von Charme und Geschichte bauen. Sie besitzt ein großes und gegen Nachahmung geschütztes Potenzial. Eine Stadt ist nichts Synthetisches. Eine Stadt steht mitten im Leben, mit all ihren Höhen und Tiefen, mit Kanten und Konturen, mit Stärken und Schwächen, Ihr ist die Aufgabe gegeben, eine Balance zu schaffen zwischen Starken und Schwachen, zwischen Einheimischen und Zugewanderten, zwischen jung und alt.

Die Innenstadt zieht die Menschen an. In Straßen und auf Plätzen, die jeder kennt, aber auch an außergewöhnlichen Orten, die den besonderen Charme einer Stadt ausmachen. Hier ist der Ort für Begegnungen, Veranstaltungen, für Verweilen, Erleben, Mitmachen und Wohlfühlen für Jung und Alt. Dynamik gesellt sich mit Gemütlichkeit, Tradition mit dem Willen zur Zukunft. Regionales, Ortstypisches und Urtümliches sind ebenso greifbar wie ein weltoffenes Selbstverständnis. Die Stadt wird zum Spiegelbild des gesellschaftlichen Lebens.

Es ist ein Kreisel des Erfolges: Die Kultur profitiert vom Shopping, das Shopping von der Freizeit und die Freizeit wiederum von der Kultur. Sie schaffen Frequenz und nutzen sie zugleich. Die Bündelung der Kräfte macht die Stadt stark im Wettbewerb der Ideen. Erfolg hat die Stadt mit den besten und ungewöhnlichsten Ideen. Erfolg wiederum macht Mut für neue Ideen. Fassaden, Schaufenster, Werbeanlagen, kurzum das gesamte städtische Ambiente muss stimmen und gut gestimmt sein wie eine Big Band oder ein Orchester.  Die Stadt gewinnt, die von sich sagen kann: „Hier spielt die Musik“.

Events sind das spielerische Sahnehäubchen einer Stadt. Ob Mitternachts-Shopping, Lange Nacht der Museen, längster Mode-Cat-Walk der Welt über Hafen- oder Sommerfeste, Fisch- oder Büchermärkte, bis hin zu Skulpturenrundgängen oder Schaufensterwettbewerben – eine Stadt, die ihre Straßen und Plätze aufblühen lässt, hat auch für die Zukunft blühende Aussichten und immer wieder Grund feste zu feiern.

Feste feiern, zeichnet Lebensfreude aus. Wenn eine Stadt Jubiläen und Geburtstage zelebriert, dann sind Herz und Seele angesprochen. Eine alle berührender Anlass, das Erreichte stolz, stimmungsvoll und selbstbewusst, fröhlich und frohgemut zu feiern – auch gern bis in die Puppen.

Das Jubiläum eines Puppen- und Figurenmachers ist wie der Blick in ein Schaufenster voll Licht und Glanz mit Blick zurück und Blick nach vorn. Festliche Stimmung bei den Mode-Machern von Dr. Moch. Sie können stolz sein auf ihre Leistung. Ohne sie würde der Blick oft ins Leere gehen. Eine gute Figur zieht den Betrachter in ihren Bann. Vor den Glasscheiben der Fenster-Läden stehen Frauen, Männer und Kinder und betrachten die modisch gekleideten Schaufensterpuppen. Sie nehmen sich die Zeit zu überlegen, was ihnen gut stehen könnte. Lernprozesse der ganz besonders liebenswerten Art. Das Schaufenster als Aussichtspunkt für neue, schöne Ein- und Aussichten, es gibt den Blick frei für neue Ansichten und verschafft gute Sicht.

Schöne und seelenvolle Schaufenster-Puppen wecken Phantasie, Sehnsüchte und Träume. Sie sorgen dafür, dass der Handel aber auch die Stadt als Raum und Ort des Konsums eine gute Figur abgeben und behalten kann.

Schaufensterfiguren sind Ruhepole im quirligen Stadtgeschehen. „Oh Augenblick, verweile doch, du bist so schön“ – was Goethe im Faust so stimmungsvoll als Symbiose von Schönheit und Vergänglichkeit formulierte, ist ein ewiger Traum der Menschen. Die Zeit anzuhalten, das Schöne zu bewahren über den flüchtigen Augenblick hinaus, scheint unerreichbar. Vielleicht ist das der Schlüssel zum Erfolg der Schaufensterpuppen. Wem gelingt es besser, Szenen einzufangen, Lebenssituationen darzustellen und Modestile anzubieten, als das Ensemble von Figuren im Fenster oder in den Markenshops der Handelsgeschäfte. Szenen des wahren Lebens werden eingefroren, wirken cool aber nicht kühl.

Aus den Schaufensteruppen im Fenster werden Schmetterlinge im Bauch

Die Warenhäuser haben im Orchester der Innenstadt-Akteure schon immer eine herausragende Rolle gespielt. Sie gehörten schon bald zu den Städten wie die Kirche zum Dorf.

Sie zeigen eine eigene Welt im Kleinen, wie ein Spiegelbild der Urbanität vor den Türen, die jedem offenstehen.

Bummeln und flanieren, den Alltag vergessen, die Seele baumeln lassen, kommen und gehen, schauen und staunen, lieben und lachen, Lust statt Last, kurzum leben und leben lassen. Die Menschen suchen und finden Anregungen und  Ideen für eine sinnvolle Lebensgestaltung. Modepuppen sind ein modernes Medium und Mittler zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Warenhäuser haben aufgrund ihrer herausragenden Lage und starken Einbindung in das Stadtimage einen engen Kontakt zu neuen Entwicklungen in Markt und Gesellschaft, auf die sie schnell reagieren müssen. Die Veränderung der Haushaltsgrößen, die zunehmende Berufstätigkeit der Frauen, die älter werdende Bevölkerung oder auch die zunehmende Emotionalisierung der Einkaufserwartungen, all das sind Signale, die bei den Warenhäusern sehr schnell und intensiv ankommen und entsprechend zu Konsequenzen, sprich zu neuen Konzepten führen.

Die frühen Kaufhäuser der Gründungszeit wie das Bon Marché oder die Galéries Lafayette in Paris, Selfridges oder Debenhams in London, Macy´s in New York, Wertheim und Tietz in Deutschland glichen anfangs allerdings noch eher Warenlagern. Das Sortiment wurde zwar in stilvollem Ambiente präsentiert, unterstützt durch Licht, Farben und Dekor, Goldtreppen und aufwendige Architektur, aber die Ware war nach wie vor nach Produktgruppen und Abteilungen sortiert.

Mit der Veränderung der Gesellschaft haben sich auch die Warenhäuser gewandelt.

Sie sind heute weitaus mehr als „Waren“- oder auch „Kauf“häuser. Sie sind Erlebnis- und Ideenhäuser, Trendplattformen und Modebühnen, Orientierungs-, Anregungs- und Begegnungsorte. Das Warenhaus wird zur Schaubühne des kulturellen Lebens. In den Schaufenstern ist Schau-Platz für Kunst und Kommunikation, ob im KaDeWe an der Berliner Tauentzien-Straße oder in der Galeria Kaufhof in der Kölner Hohe Straße.   Die Schaufensterpuppen werden zum Blickfang und ziehen den Betrachter in ihren Bann. Das „alles-für-alle“ – Image der Warenhäuser früherer Zeiten hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt: Differenzierung war angesagt. In den Städten zeigt sich eine Renaissance der Warenhäuser. Diese richten sich in ihrer ganzen Breite der Leistungspalette konsequent auf die Erwartungen und Wünsche der Innenstadt-Besucher nach Erlebniseinkauf ein. Zudem sind sie Motoren der Stadtmarketing-Forcierung, nicht zuletzt erwachsen aus ihrer traditionellen Einsatzbereitschaft für eine Verbesserung des  städtischen Handelsumfeldes.

Ihre herausragende Rolle und die hohe Akzeptanz in der Gesellschaft ist das Ergebnis einer lebendigen und ausgefüllten Tradition, die bei Kaufhof und Karstadt über 125 Jahre, bei Breuninger in Stuttgart 100 Jahre zurück reicht. Die Tradition der großen Warenhauskultur erlebt im 21. Jahrhundert ihre Renaissance.

Die deutschen Warenhäuser können auf eine große Tradition bauen. Leonhard Tietz legte im kleinen Ostsee-Hafenstädtchen Stralsund im Alter von 30 Jahren den Grundstein für die heutige Kaufhof Warenhaus AG. Am 14. August 1879 eröffnete er zusammen mit seiner Verlobten Flora Baumann das 25 qm kleine „Garn-, Knopf-, Posamentier- und Woll-Waaren-Geschäft en gros & en détail“ in der Ossenreyerstraße 31. Tietz führte die Preisauszeichnung ein, das individuelle Aushandeln des Preises entfiel somit und auch Kredit durch Anschreiben war nicht mehr gewünscht. Die zweite größere Wurzel des Kaufhof geht auf Helmut Horten zurück, der sein Unternehmen 1936 in Duisburg begründete. 1994 kam es zur Fusion mit dem Kaufhof. Insgesamt zählen 126 Filialen einschließlich 15 Spezialhäuser unter dem Namen Sportarena zum Filialportfolio. Das von Horten 1988 in Heidelberg und Münster erstmals eingeführte Erlebnis und Warenwelten betonte Galeria-Konzept ist inzwischen fast in allen Kaufhof-Filialen umgesetzt. An rund 100 Standorten ist der Name Kaufhof im Stadtbild präsent. Seit dem Jahr 2001 gehört auch INNO, die größte belgische Warenhaus-Kette, mit 15 Filialen in 12 Städten dazu, an der Spitze das 25.000 qm große Flaggschiff an der Rue Neuve in Brüssel.

Die heutige Karstadt Warenhaus GmbH  kann sogar mehrere Väter ihr eigen nennen. Zwei Jahre nach Leonhard Tietz hatte auch der gelernte Einzelhandelskaufmann Rudolph Karstadt die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstständigkeit. Und wieder zog es einen jungen Gründer in eine Hansestadt an der Ostsee, dorthin wo der Handel blühte. Am 14. Mai 1881 eröffnete der 25 Jahre junge Kaufmann in Wismar unter dem Namen seines spendablen und hilfreichen Vaters Christian sein erstes Geschäft in der Krämerstraße 4, das „ Manufactur-,Confections- und Tuchgeschäft C. Karstadt“. C. Karstadt hieß die Firma zudem, weil Rudolph noch zu jung war, um in Mecklenburg selbstständig zu sein. Die Grenze lag bei 30 Jahren. Zum 125-jährigen Jubiläum wurde das schmucke Traditionshaus umgebaut und mit neuem Glanz versehen.

1885 schließlich war es Textilkaufmann Theodor Althoff, der im westfälischen Dülmen im Alter von 27 Jahren ein „Kurz-, Weiß- und Wollwaarengeschäft“ von seiner verwitweten Mutter übernimmt. Bereits ein Jahr später eröffnet er seine erste Filiale in Rheine. 1920 erfolgt schließlich die Fusion mit Karstadt.

Die heute zu Karstadt gehörenden Hertie-Kaufhäuser gehen auf die Gründung von Oscar Tietz zurück, einem Bruder von Leonhard Tietz. Er eröffnete 1882 in dem damaligen Wollweberstädtchen Gera wie schon sein Bruder drei Jahre zuvor in Stralsund ein „Garn-, Knopf-, Posamentier-, Weiß- und  Wollwarengeschäft“. Das Startkapital von 1000 Mark stellte ihm sein Onkel Hermann Tietz zur Verfügung. Zum Dank dafür verewigte Oscar den Namen seines Onkels als Firma des Unternehmens. Hermann leitete 1886 eine Filiale in Weimar. 1894 eröffnete Oscar Tietz in  München und Wertheim in Berlin fast zugleich die ersten Warenhäuser Deutschlands.

1926 übernahm „Herrmann Tietz“ die Berliner Warenhaus-Kette A. Jandorf, dessen prominenteste Filiale das KaDeWe war. Bei Jandorf war Georg Karg bereits Zentraleinkäufer Textil. Er stieg in der Karriereleiter nach oben und übernahm gegen Ende der dreißiger Jahre nach und nach alle Anteile von Hertie. Nach dem Krieg erwarb er 1952 für Hertie auch die Mehrheit an der Warenhaus Wertheim AG. Dessen Ursprung wiederum geht auf eine Gründung von Abraham Wertheim zurück, der zusammen mit seinem Bruder Theodor sein erstes „Manufactur- und Modewaaren-Geschäft“ in Stralsund, in einem winzigen Laden in der Nähe des Hafens, mit einer „Etablissements“-Anzeige stolz in der Tageszeitung verkündete. Man schrieb das Jahr 1852. An den Gründernamen erinnerte bis vor kurzem noch das knapp 30.000 qm große Warenhaus Wertheim am Kurfürstendamm und das Haus an der Berliner Schloßstraße, die im Jahr 2007 auf den Namen Karstadt umgestellt wurden.

Hertie und Karstadt gingen seit dem Jahr 1994 gemeinsame Wege. Heute kommt der Name Hertie als Logo für die ehemaligen Karstadt-Kompakt-Häuser der neuen britischen Besitzer, der Investorengruppe „Hilco“ und „Dawnay, Day“ zu neuen Ehren.

Karstadt hat insgesamt 122 Warenhäuser, darunter auch 32 Sporthäuser, sowie drei Luxus-Warenhäuser (KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München), die zur neu geschaffenen Karstadt Premium Group gehören.

Die Frequenzstärke der beiden großen Warenhaus-Unternehmen ist hoch: Täglich besuchen im Durchschnitt 2 Millionen Menschen die Galeria Kaufhof mit ihren 126 deutschen Filialen und 13 Sporthäusern mit dem Namen Sportarena. Hinzu kommen seit 2001 noch 15 Galeria-Inno-Filialen in Belgien.

2,5 Millionen Besucher frequentieren die insgesamt 90 Karstadt-Häuser und 32 Sporthäuser

Karstadt Leipzig

Kurz bevor Rudolph Karstadt das Unternehmen in Wismar gegründet hatte, war ein anderer Jungunternehmer auch auf Gründungskurs, allerdings ganz im Süden der Republik. In der Schwabenmetropole Stuttgart eröffnete Eduard Breuninger am 1. März 1881 in der Stuttgarter Münzstraße sein erstes Geschäft. Er ist am 14. Juli 1854 in Backnang geboren, also im selben Jahr wie Leonhard Tietz. Das Personal bestand außer einem Lehrling nur aus zwei „Fräuleins“. Da er sein Geschäft von dem Vorgänger E.L. Ostermayer mit dem gesamten Warenbestand übernommen hatte, begann der die Eröffnung gleich mit einem sensationellen Ausverkauf. Die überraschte Öffentlichkeit reagierte mit Freude und bescherte ihm einen hohen Zulauf. Der Erfolg verlangte nach neuen Räumen. Nach der Erweiterung in die oberen Etagen und dem Zukauf des benachbarten Hauses mit dem ehemaligen Gasthof zum Großfürsten tituliert auch das Warenhaus stolz unter „E.BREUNINGER zum Großfürsten“. Das Unternehmen ging neue Wege nicht nur in der Werbung auch im sozialen Bereich: Urlaub war damals ein Fremdbegriff. Jeden vierten Sonntag im Monat erhielten die Mitarbeiter einen freien Spätnachmittag. 1889 war in der Werbung der Hinweis zu lesen: „Sonntags Ruhetag!“ Immer auf der Suche nach neuen Ideen, fuhr Eduard Breuninger auch in die Vereinigten Staaten. Von den  wertvollen Anregungen für moderne Verkaufsmethoden, die er im Kopf mitbrachte, profitierte sofort das neue Haus, das 1908 in der Sporerstraße gebaut wurde. Kundenservice war beim Chef hoch angesehen. Auf dem Brief einer Kundin, die sich über eine in der Wäsche ausgelaufene Tischdecke beschwerte, notierte er für seine Mitarbeiter: „Wir haben nicht das Recht, Recht zu haben!“ 1929 baut Breuninger in der Marktstraße ein Herrenmodehaus, das über- und unterirdisch mit dem bestehenden Hauptgeschäft verbunden ist. Nun hatte das Warenhaus bereits 9 Obergeschosse auf einer Fläche von rund 14.000 qm! Eduard Breuninger wird 77 Jahre alt. Nach dessen Tode im März 1932 übernahm Sohn Alfred das Unternehmen. Nach dem 2. Weltkrieg blieb von den Geschäftshäusern kaum etwas übrig. Die Gebäude waren zu 60 Prozent, die Einrichtung zu 100 % zerstört. Für Heinz Breuninger, Sohn des 1947 verstorbenen Vaters Alfred, begann nun die schwere Aufgabe des Wiederaufbaues. Auch er fuhr zunächst auf Ideen-Erkundungstour nach New York, Detroit und Chicago. In Amerika ließ er sich von allem Neuen wie der Großzügigkeit der Präsentation inspirieren. Denn er wollte den Menschen in der Stuttgarter Region die größte und beste Einkaufsmöglichkeit Deutschlands bieten. Als erstes Warenhaus in Deutschland lässt er Rolltreppen einbauen, mit Aufzügen und auch die größte Änderungsschneiderei des Kontinents ist hier zu finden. 1959, also noch vor Einführung der EC-Karte, führte Breuninger als erste Firma in Europa die bargeldlose Zahlung per Kundenkarte ein. Ende der 60iger Jahre wandelt sich das Haus vom reinen Textilhaus zum Vollsortimenter mit rund 300.000 Artikeln. Als man beim Bau des neuen Breuninger Marktes unerwartet auf eine Mineralquelle stößt, wird in der vierten Etage des neuen Gebäudes kurzerhand ein Mineralbad für die Kunden gebaut. Kindergarten, Parkhaus und Restaurants kommen als Service hinzu. Als Breuninger zur Mitte der 50er Jahre erkennen muss, dass Kunden von außerhalb immer weniger den Weg in die Stadt finden, entschließt er sich, ihnen entgegenzukommen. Am 5. April öffnet das Einkaufszentrum Breuningerland im Tammerfeld bei Ludwigsburg, ein überdachtes, vollklimatisiertes Einkaufszentrum mit marktähnlichen Erlebnisbereichen. Ein weiteres Breuningerland in Sindelfingen folgt sieben Jahre später.

Galeria Kaufhof,Hamburg Alstertal Einkaufszentrum

Seit 1980 steht, nach dem Tode von Heinz Breuninger, der Niederländer Willem G. van Agtmael an der Spitze. Er kommt aus der Hotelbranche und stellt in der gemeinsam mit den Mitarbeitern entwickelten neuen Unternehmensphilosophie den Menschen in den Mittelpunkt. Ähnlich wie im Kundenbrief von Eduard Breuninger notiert, heißt es nun: „Es ist Ihr gutes Recht, von Breuninger etwas Besonderes zu erwarten!“. Der sehenswerte, originelle und unkonventionelle Jubiläumsband zum 125-jährigen Jubiläum im Oktober 2006 ist ein Spiegelbild der Ideen- und Markenvielfalt von Breuninger. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bereiche Mode, Parfümerie, Accessoires, Sport und Wohnen. Sie verbinden sich häuserübergreifend zur charakteristischen Breuninger Welt. Das Unternehmen hat im Stammhaus seit 2006 eine eigene Premiumabteilung und vereint dort große Marken und kleine Newcomerlabels zu einem trendsicheren Markenmix. Heute zählen zum Unternehmen elf Häuser, darunter auch neuere Häuser in den Innenstädten von Nürnberg, Karlsruhe und Leipzig, aber neben den beiden Breuningerland-Filialen  seit dem Jahr 2004 auch im Main-Taunus-Zentrum, dem umsatzstärksten Einkaufszentrum der ECE, dem Marktführer bei der Entwicklung und Management von Shopping-Centern in Deutschland.

Galeria Kaufhof, Hamburg Alstertal Einkaufszentrum, Lucia Shop mit Moch Fiigur 438

Von den sogenannten Kleinpreis-Kaufhäusern ist als einziger größerer Wettbewerber noch Woolworth präsent. Insgesamt 340 Filialen in Deutschland und Österreich mit Verkaufsflächen zwischen 400 und 4.000 qm zählt die frühere Tochter der amerikanischen Woolworth. 1998 trennte sich die in Frankfurt ansässige deutsche Niederlassung im Rahmen eines Management-Buy-Outs von der amerikanischen Mutter. Der amerikanische Gründer Frank Winfield Woolworth wurde 1852 als ältester Sohn einer Farmerfamilie im Staate New York geboren. Sein Aufstieg gleicht einer Tellerwäscher-Karriere. Er war Aushilfsverkäufer, Lagerarbeiter, Bote und Hauswart, mit einer Wochenarbeitszeit von 84 Stunden. Seine Karriere im Handel startete er als Senior-Verkäufer bei Moore & Smith. Woolworth revolutionierte den Handel: In den Einzelhandelsgeschäften war es damals üblich, die Ware in Schubladen unter den Ladentischen oder in Regalen hinter den Tischen aufzubauen. Die Tische waren also frei von Waren. Der Kunde teilte dem Verkäufer seine Wünsche mit, der ihm erst dann die vorhandene Ware auf dem Ladentisch vorlegte. Frank Woolworth hatte eine neue Idee: Er legte die Waren auf den Tisch und das alles zum Einheitspreis von 5 Cent. Die Begeisterung der Kunden ermutigte ihn, eigene Wege zu gehen. Sein erster Laden in Utica hatte zwar noch den falschen Standort und er musste ihn aufgeben, doch bereits der zweite Versuch war erfolgreich. Am 21. Juni 1879, also nur knapp 2 Monate bevor Leonhard Tietz in Stralsund den Kaufhof begründete, war das Stammgeschäft von Woolworth mit sieben Angestellten eröffnet. 127 $ nahm er am ersten Tag ein, wie er stolz seinem Vater schrieb. Nach drei Jahren kamen noch 10-Cent Artikel hinzu. Innerhalb der nächsten 50 Jahre entstanden 2.100 Läden in fünf Ländern, eine wahre Erfolgsstory! Das 1913 aus dem persönlichen Vermögen errichtete Woolworth –Gebäude in New York war mit seinen 241 Metern und 60 Stockwerken lange Jahre das höchste Gebäude der Welt. F.W. Woolworth starb im April 1919. Die erste Filiale in Deutschland wurde am 30. Juli 1927 in Bremen eröffnet. Der Einheitspreis lag hier bei 25 oder 50 Pfennigen. In den letzten Jahren hatte das Unternehmen immer wieder versucht, mit neuen Konzepten zwischen Preisaggressivität und Trading-Up sich vom „Wulli“-Image des Billiganbieters zu lösen.

Galeria Kaufhof, Berlin Alexanderplatz

Die Kleinpreis-Kette von Karstadt „Kepa“ (für Karstadt-Einheits-Preis-Aktiengesellschaft) wurde 1976 aufgelöst. Sie war 1926 als EPA-Einheitspreis AG gegründet worden und 1952 in die Westdeutsche Kepa Kaufhaus GmbH umgetauft worden. Davon profitierte die Kaufhalle, Tochter des Kaufhof. Sie war Nachfolgerin der im Oktober 1925 vom Kaufhof urgegrübadeten Ehape Einheitspreisgeschäfte und wurde nach dem Krieg in Kaufhalle umbenannt. Doch im Zuge der Polarisierung zwischen wachsender Erlebnisorientierung in den Innenstädten und Preisaggressivität der Fachmärkte und SB-Warenhäuser hatte auch die Kaufhalle große Positionierungsprobleme. Sie wurde im Jahre 1998 an andere Betreiber wie z.B. die DIVACO oder später auch an die italienische Modekette Coin/Oviesse verkauft, deren Konzept aber ebenfalls im deutschen Markt und speziell bei den weiblichen Kunden keinen Anklang fand.

Karstadt Essen, Limbecker Platz

Erfolgreich agiert in diesem Verbrauchersegment die Firma Strauss Innovation, die mit Lifestyle-Marketing, Aktionswaren und Konzentration auf Eigenmarken zu den expansivsten Namen der Branche zählen. Insgesamt 106 Filialen betreibt Strauss in Deutschland. Im Jahre 1902 gründeten die Eheleute Heinrich und Maria Strauss ihr erstes Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren im Herzen der Düsseldorfer Altstadt, also ein klassisches „Kaufhaus-Gründer-Sortiment“. Das Unternehmen ist bereits auf drei Filialen gewachsen, als die Geschwister Maria und Gertrud das Geschäft der Eltern übernehmen und es auch erfolgreich durch die Zeit des Weltkrieges über Wasser halten.   Das Unternehmen expandiert. Die 1977 in Düsseldorf-Reisholz gebaute Zentrale wird schon bald zu klein. 1986 errichtet das Unternehmen seine neue Verwaltung mit einem angeschlossenen Logistik-Center in Langenfeld bei Düsseldorf. Die Filialzahl ist auf 12 gestiegen. Gleichzeitig mit der politischen Wende und Öffnung der Mauern 1989 erfolgt auch bei Strauss eine Wende in der Führung: Neue Gesellschafter treten ein. Peter Ludwig Geringhoff, Arnold Stolper und Edmund Strauss etablieren das Konzept Strauss Innovation. Das inzwischen auf 14 Häuser angewachsene Unternehmen nimmt Kurs auf Expansion. 1992 erfolgt der erste Schritt nach Berlin, in der Folgezeit kommen 14 weitere Filialen allein in Berlin hinzu.

!997 kommt als neuer Partner die Alldata GmbH unter der Betreuung von Dr. Jürgen Pelka hinzu. Zur Jahrtausendwende firmieren bereits 70 Filialen unter dem Innovations-Label. Mit der Eröffnung von Filialen in Stuttgart wird erstmals auch der süddeutsche Markt erschlossen. Das Expansionstempo bleibt hoch: Im Jahr des 100-jährigen Jubiläums gehen die ersten Filialen in der Region Frankfurt und im norddeutschen Raum ins Rennen. In Berlin entsteht ein modernes Logistikzentrum. 2004 übernimmt der älteste Sohn Peter Geringhoff die Geschäfte und führt zusammen mit  Dr. Jürgen Pelka das Unternehmen. Das Lager in Langenfeld wird schon bald zu klein.  Ein Jahr später wird in Solingen ein neues Logistik-Zentrum seiner Bestimmung übergeben.

Im Jahr 2006 schließlich eröffnet in Wolfsburg die 100. Filiale. Strauss Innovation erreicht in diesem Jahr mit seinem erfolgreichen Konzept der emotionalen Warenwelten mit insgesamt 13 Eröffnungen die höchste Expansionsgeschwindigkeit in der Firmengeschichte.

In der durch den Wegfall von Kepa, Bilka (Hertie) und Kaufhalle entstandenen Kleinpreis-Lücke haben sich zwei Firmen etabliert, die sich in Deutschland auf Expansionskurs eingestellt haben. Cloppenburg agiert dabei von Kiel aus nach Süden und Drogeriemarkt Müller von Ulm aus Richtung Norden. Cloppenburg wurde 1949 in Kiel gegründet und hat zunächst nur Textil- und Kurzwaren verkauft. Im Laufe der Jahre kamen Parfümerie-, Haushalts-, Schreib- und Spielwaren sowie Saisonartikel hinzu. Insgesamt sind rund 15.000 Artikel im Angebot. Das Unternehmen entwickelte sich so zu einem Nachbarschafts- oder Convenience-Kaufhaus. Heute hat Cloppenburg 160 Filialen mit jährlich 40 Mio. Kunden und über 2.600 Mitarbeitern. Deutlich größer ist das Kaufhaus-Unternehmen Müller aus Ulm. Es hat sich im Laufe der Jahre zu einem Kaufhaus mit Produkten des kurzfristigen Bedarfs entwickelt, und bietet zusätzlich zu den Artikeln von Cloppenburg auch noch die Bereiche Multi-Media, Ambiente, Wäsche, Dessous, Strümpfe und Handarbeit an. Mit 170.000 Artikeln liegt es damit auch schon klar auf Kaufhaus-Niveau. Gegründet 1953 ist Müller heute mit 464 Filialen vertreten, darunter auch mit Niederlassungen in der Schweiz, in Österreich, Spanien, Slowenien und Kroatien. Die Größe der Filialen reicht von 400 bis 4.000 qm.

Warenhäuser und Architektur

Die Warenhäuser haben in den Städten eine große Leit- und Magnetfunktion als Zugpferd für den Handel. Dazu hat nicht zuletzt auch die beeindruckende und aufmerksamkeitsstarke Architektur beigetragen.

Es waren die berühmtesten Architekten, die Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Kaufhaus-Paläste in Deutschland schufen – Meilensteine in der Entwicklung und Ausprägung des Stadtlebens. Bedeutende Warenhaus-Architekten, renommierte Künstler, Bildhauer, Stukkateure, Maler und führende Handwerksbetriebe wurden mit Entwurf und Ausführung der Warenhäuser betraut. Wegen ihrer Schönheit und Exklusivität werden Warenhausbauten wie das 1900 in der Leipziger Straße vom Architekten Mehring errichtete Hertie-Haus und das KaDeWe des Architekten Schaudt in Berlin, das von Joseph Maria Olbrich gebaute Jugendstilhaus an der Düsseldorfer Königsallee Nummer 1 oder das Tietz-Gebäude von Wilhelm Kreis in der Kölner Hohe Straße im Baedecker als Sehenswürdigkeit aufgeführt. Flanieren wurde chic, Schauen, Staunen und Shoppen zum Massenvergnügen.

Die Schaufenster der Warenhäuser waren von Anfang an eine bedeutende Quelle ihrer wirkungsvollen Leucht- und Anziehungskraft. Daran hat auch die eine Zeit lang in den 80er Jahren geübte Praxis der Warenhäuser nichts geändert, die Schaufensterflächen in den betriebswirtschaftlichen Wettbewerb mit anderen Verkaufsflächen zu stellen. Hinzu kam der Wirkungs-Wettstreit mit den anderen Kommunikations-Medien. Fassade und Schaufenster zogen in der Vergangenheit oft den Kürzeren. Konsequenz war die wachsende Einrichtung von Durchsichtfenstern. Die lange Jahre praktizierte Umwandlung von Schaufenster- in vermeintlich „wertvollere“ Verkaufsfläche schaffte zwar mehr Durchsicht, zeigte aber wenig Durchblick. Denn Fläche gab es mit der Zeit mehr als genug, doch Emotion und Stimmung fehlten.

Heute sind die Schaufenster die Visitenkarten des Verkaufs. Sie sind anerkannte und willkommene Bühnen. Die Botschaft des Händlers wird schon auf den ersten Blick erkennbar. Insofern kommt hier schon den Schaufensterpuppen die wichtige Aufgabe zu, den Blickkontakt zu den Passanten aufzunehmen und bei ihnen Bilder im Kopf zu malen, die aus Passanten Besucher und aus Besuchern Kunden machen können. Nach dem Blickkontakt kommt vielleicht die große Liebe, auch im Handel.

Allein der Kaufhof hat in seinen Filialen rund 100.000 Schaufensterpuppen in den Fenstern und Verkaufsetagen. Im größten Kaufhof Haus in der Hohe Straße in Köln sind es 100 Puppen in den Fenstern und 300 auf der Fläche des Hauses. In der Galeria Kaufhof Bonn sind es auch noch immerhin 50 Puppen in den Fenstern.

Denn wer schon in Reichweite des Ladens ist, ist fast schon ein potenzieller Kunde, zum Greifen nahe.

Schaufenster sind aus den Flanier- und Einkaufszonen in aller Welt nicht mehr wegzudenken. Das war nicht immer so. Bis ins späte 17.Jahrhundert waren Läden und Geschäftshäuser zur Straßenseite hin offen und für jedermann zugänglich. Die ersten gläsernen Ladenfronten bestanden aus den im 18. Jahrhundert charakteristischen kleinteiligen Kassettenscheiben. Der Siegeszug der Schaufenster wurde erst Mitte des 19.Jahrhunderts möglich, als neuartige Herstellungsmethoden die Produktion von großen Flachglasscheiben zuließen. Auch die Aufhebung der Glassteuer 1845 und die elektrische Beleuchtung gaben den Schaufenstern Aufwind.

Heute ist das Schaufenster die vorderste Front der visuellen Selbstdarstellung. Es zeigt die Seele des Geschäftes und gibt dem Besucher einen Vorgeschmack auf das, was ihn erwartet. Was bei der Zeitschrift die Titelseite, ist im Handel das Schaufenster. In der nach wie vor zeitlos gültigen Drei-Phasen-Formel mit dem Namen AIDA (Attention, Interest, Desire und Action) kann das ideale Schaufenster helfen, zumindest die wichtigen drei ersten Hürden zum Schritt des Kunden zur Kasse überspringen helfen.

In der Vergangenheit dienten die zumeist sehr nüchtern gestalteten Schaufenster der reinen Information für den Verbraucher. Die Darstellung der Produkte und ihrer Preise stand im Vordergrund.  Mit Waren zugesetzte Schaufensterräume waren oftmals charakteristisch. Vor allem nach dem Krieg sollten die Schaufenster vor allem die Botschaft vermitteln, dass wieder Ware da sei. Ohne großen Aufwand wurden die Waren im Fenster zur Schau gestellt und mit Preisschildern feilgeboten. Wenn auch ab und zu die Fenster geputzt wurden: Einblicke in die Verkaufsräume, um die Transparenz und Offenheit des Händlers zu dokumentieren, wurden nur selten gewährt.

Den Betrachter aus dem Alltag zu entführen, Sehnsüchte zu wecken und damit möglichst viele Menschen einzuladen, das Geschäft zu betreten, das ist die Botschaft des Schaufensters als dreidimensionales Werbemedium.

Viele Künstler von Dali bis Uecker nutzten das Schaufenster als Kunstbühne. Dali setzte bei seinen surrealistischen Schaufenstern auf Humor, Parodie und Dramaturgie in Situationen des Alltags. Andy Warhol war während seines Studiums als Mitarbeiter der Schauwerbeabteilung eines New Yorker Kaufhauses kreativ aktiv.

Heute im Zeitalter des „Visual Merchandising“ erzählen moderne Schaufenster Geschichten, wecken Emotionen, lassen vor allem zur Weihnachtszeit selbst bei emotionsgefeiten Erwachsenen nostalgische Erinnerungen an die Steiff-Kindheit und die durch die Traumwelt ratternde Märklinbahn aufkommen.

Und das vor allem in den Innenstädten. Denn während die Grüne Wiese beim Thema Fenster eher mauert, setzt der innerstädtische Handel auf die neue Offenheit. Die Philosophie des Hauses schon im Schaufenster zu erkennen geben, das ist die hohe Kunst der Schaufenstergestaltung, vom Armani-Shop auf der Düsseldorfer Königsallee bis zum Young-Fashion Spezialisten Zara auf Kölns Schildergasse.

Andere wie Aldi, Lidl, Rewe, Schlecker, Urban und Co. halten sich mit „Schau“fenstern gar nicht auf. Sie verzichten ganz auf diese Werbemöglichkeit. Sie sehen die Schaufenster bestenfalls als Klebefläche für die großen Preisschlachten. Kein Wunder, dass sie im Bild der Fußgängerzonen oder Shopping-Malls als Eye-Catcher ganz besonderer Art wenig Atmosphäre beim  entspannten Schaufensterbummel aufkommen lassen.

Im Zeitalter der Individualisierung der Bedürfnisse müssen sich auch die Schaufenster den neuen Trends öffnen. Ansprechende und Phantasie anregende Themen, am besten nach Zielgruppen spezifiziert, sollen die Flaneure und Laufkunden neugierig machen auf das Innenleben der Läden.

Viele Städte der City-Offensive NRW „Ab in die Mitte!“ setzen auf die Lebendigkeit der Schaufenster, auf die Möglichkeiten, Kunst und Kommerz in Einklang zu bringen und Augen-Blicke von Sensation und Emotion zu schaffen.

So führt die Stadt Hagen Jahr für Jahr im Herbst einen Schaufensterwettbewerb als  Gemeinschaftsaktion von Handel und dem Hagener Karl-Ernst-Osthaus Museum durch. Die Ur-Idee stammt von dem Kunstförderer Osthaus, Begründer auch des Folkwang-Museums, der bereits 1910 erstmals einen Schaufensterwettbewerb inszenierte. Im Jahr 2006 standen 65 Einzelhändler mit 73 Fenstern im Wettbewerb um den schönsten Fensteranblick unter dem Motto „Hagen zeigt Figur“. Damals wie heute war die Botschaft für die Veranstalter klar: „Eine Innenstadt neu zu erleben, ist das Ziel. Sie neu entdecken ist der Weg. Neue Erlebnisräume schaffen ist das Ergebnis. Das Verborgene wird entdeckt.“ Ein gelungenes Schaufenster geht eine Liaison von künstlerischer Innovation und Kaufanreiz ein. Dabei kann das in liebevoller Eigenarbeit gestaltete Fenster des Kiosks ebensoviel Aufmerksamkeit erregen wie die Dekoration des professionellen Schauwerbegestalters. Auch andere Städte setzten Aktionen im und mit Schaufenstern in das rechte Licht von „Ab in die Mitte!“ So übten sich in Witten zwei Jugendliche der Wittener WerkStatt zwei Tage lang als lebende Schaufenster-Puppen. Und in Gelsenkirchen zogen über 120 künstlerisch bemalte Kunststoffpferde in der Fußgängerzone, in Schaufenstern und auf den Balustraden der Geschäfte die Blicke auf sich. In einem Schaufenster des Kaufhof in Alt-Oberhausen machte eine bekannte Buch- und Glossenschreiberin mit Ruhrpott-Dönekes und Soap-Erlebnissen das Schaufenster zur Seh-, Hör- und Lesebühne.-

 

Warenhäuser als Motor und Impulsgeber der Stadt

Ansehnliche und anschauliche Zeitzeugen für die Kraft der Warenhäuser lassen sich in vielen Einkaufszonen Deutschlands live erleben.

Zum Beispiel in Berlin, seit jeher eine Hochburg traditioneller Warenhaus-Kultur.

In kaum einer anderen Stadt zeigen sich Dynamik und Kraft des Handels so stark wie in Berlin. Nirgendwo sonst sind Plätze und Straßen, Passagen, Höfe und Center zu Markenzeichen und Wegweisern einer lebendigen und vielfältigen Handelswelt geworden.

Die Metropole Berlin ist für das Warenhaus schon immer ein historischer Platz, an dem Tradition und Zukunftsorientierung eine Verbindung mit dem Leben der Menschen eingehen. Das KaDeWe in der Shoppingmeile Tauentzienstraße und die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz sind deutschlandweit die Flaggschiffe und Glanzlichter der beiden Warenhaus-Unternehmen Karstadt und Kaufhof. Sie strahlen mit ihrem weltstädtischen, anziehenden und anspruchsvollen Ambiente auf die Handelslandschaft der ganzen Republik aus. Mit der Eröffnung eines rundum neugestalteten und erweiterten Warenhauses am historischen Alexanderplatz im Mai 2006 hat der Kaufhof hier auf 35.000 qm eine neue Dimension des WorldClassShopping eingeläutet. Das KaDeWe konnte im Jahr 2007 mit  seinen heute 60.000 qm Verkaufsfläche bereits seinen 100. Geburtstag feiern.

Nach umfangreicher Renovierung zeigt sich das Haus mit neuen Präsentations- und Dekorationsformen: breite Designerboulevards werden wie in einer Stadt von großen und kleinen Straßen durchkreuzt. Die größte Feinkostabteilung Europas ist hier zu  bestaunen. Das KaDeWe war nach dem Krieg sichtbares Symbol des Aufbauwillens und Aushängeschild für den Westteil der Stadt.

Doch in Berlin stehen nicht nur Kurfürstendamm, Tauentzienstraße, Friedrichstraße, Potsdamer Platz oder Alexanderplatz im Fokus und Brennpunkt der Frequenzströme. Auch in den übrigen Einkaufsstraßen und -zentren der Stadtbezirke kommt den Warenhäusern eine tragende Rolle der Magnetfunktion zu.

Was wären die Altstadt Spandau, die Tegel-City, Schloßstrasse, Wilmersdorfer Straße, Müllerstraße, Hermannplatz oder der Ostbahnhof ohne die Stärke der Warenhäuser? Auch die Shopping-Center wie z.B. die Gropius-Passagen, das Linden- oder Ringcenter leben von der Anziehungskraft des Warenhauses. Pünktlich zum Frühlingsbeginn 2007 hat der Kaufhof im Ring-Center der ECE seine 5. Galeria-Filiale in Berlin eröffnet. Das rund 8.000 qm große Haus ist in einer Anfahrtzeit von bis zu 15 Minuten von fast 400.000 Einwohnern zu erreichen.

Doch auch die Warenhäuser brauchen Mitstreiter und Erlebnis-Shopping-Animationen, damit eine Stadt das breite Spektrum des Lifestyle abbilden kann. Hier bedarf es der guten Mischung nach Branche und Größe. So setzt die Lebendigkeit der Szene- und Designerviertel, die sich z.B. im Umfeld der Hackeschen Höfe äußerst dynamisch entwickeln, wichtige Akzente für das Image des Berliner Handels.

Die Handelsmetropole Berlin erhält damit ihren ganz besonderen Reiz aus der spannenden Mischung von Internationalität und Ortsmilieu.

Die Berliner Handelsszene zeichnet sich durch eine Mannigfaltigkeit von Gedanken, Ideen und Konzepten aus. Ob Händler oder Geschäftsführer, Center- oder Geschäftsstraßenmanager – sie stehen alle untereinander in einem faszinierenden Wettbewerb der Ideen: Im Wettstreit um die Gunst der Besucher und Kunden wollen alle auf dem Siegertreppchen ganz oben stehen. Das schafft Bewegung, setzt Kräfte frei und treibt die Kreativität an zu neuen Projekten. Dies gibt Rückenwind, auch einmal ungewohnte Wege zu beschreiten.

In den neuen Bundesländern haben sich die Warenhäuser trotz der Verlockungen einer vereinfachten Ansiedlung auf der „Grünen Wiese“ und der dortigen Expansions- und Flächeneuphorie für den Standort Innenstadt entschieden.

Durch den Weltkrieg, aber auch durch die Nachkriegspolitik der DDR hat die Stadt Chemnitz, das sogenannte sächsische Manchester, ihr altes historisches und gewachsenes  Gesicht verloren. Und wie das englische Manchester so ist auch Chemnitz auf dem Weg zu einem neuen Stadtprofil.  Trotz der baulichen Verluste ist Chemnitz auch heute noch oder wieder eine Stadt mit Kunst und Kultur, Kirchen und Klöstern, mit sehenswertem Jugendstil und  Bauhausarchitektur. Und der Handel hilft der Stadt bei der Positionierung. Die Galeria Kaufhof des deutsch-amerikanischen Star-Architekten Helmut Jahn prägt, vis à vis der Einkaufs-Galerie Roter Turm und Rathaus, das Zentrum und Herz der Stadt. Mehr als 12.000 qm Glas sind hier verbaut worden. 2.000 qm mehr als der Kölner Dom an Fensterfläche sein eigen nennt. Rund 20.000 qm Verkaufsfläche umfasst das Haus auf insgesamt 5 Etagen.

Von außen sichtbare Schaufensterpuppen machen die Besucher auf das Haus neugierig und stellen eine virtuelle Sichtachse zwischen Kaufhaus, Markt und Rathaus her.

Die Chemnitzer Innenstadt erhielt mit dieser glasklaren „Verpackung“ eines Warenhauses eine neue und herausragende Visitenkarte, einen spiegelnden Anziehungspunkt der Stadt. Ansehnliche architektonische Maßstäbe in der Warenhauslandschaft wurden geschaffen, die einen oberen Rang in den Reiseplänen der Architekten einnehmen.

Mit diesem „glänzenden“ Marktauftritt wird auch die neue Philosophie der Warenhäuser bild- und vorbildhaft symbolisiert: Sich der Gesellschaft zu öffnen, Einblicke und Transparenz zu geben, gehört heute zu den Notwendigkeiten eines partnerschaftlichen Dialoges mit der Gesellschaft und den Kunden.

Das alte Chemnitzer Kaufhof Domizil, nur einen Steinwurf entfernt, wird heute als Tietz-Kulturkaufhaus mit Museum, Bibliothek und Volkshochschule genutzt und bereichert das Angebot einer multifunktionalen Innenstadt. Ein vorbildliches Beispiel auch für das Zusammenspiel von Stadtplanung und Handel.

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In Leipzig, der kultur-bekannten Stadt von Auerbachs Keller, der Familie Bach und Goethe, der Nikolai-Kirche und des Thomaner-Chores, spürt man die verschiedenen Säulen der Urbanität. Hier erlebt der Besucher, wie sich Tradition und Moderne die Hand zu einer starken Zukunft reichen. Zur motivierenden Aufbruchstimmung von Stadt und Handel und zur Lebendigkeit und Bewegung auf den Straßen und Plätzen, den Arkaden und Gängen, haben nicht nur die wieder zu Glanz und Gloria gebrachten insgesamt 28 legendären Passagen, Hinterhof-Galerien und Gastronomieszenen  beigetragen, sondern auch die hohen Investitionen der Warenhäuser Kaufhof und Karstadt. Sie haben eine neue Generation von Einkaufserlebnis in Leipzig auf den Weg gebracht. Diese Impulse sind zunächst zwar Investitionen in Glas und Stein, doch mehr noch in eine gute Stimmung für die Freude der Menschen an der Stadt und auch für das  Zusammenwachsen der Einkaufskulturen.

Erster neuer Anziehungsmotor war im Herbst 2001 die neugebaute 21.000 qm große Galeria Kaufhof am Neumarkt, ganz in der Nähe des historischen Marktplatzes und der geschichtsträchtigen Nikolai-Kirche. Mit sechs Verkaufsetagen spiegelt dieser anspruchsvoll gestaltete Bau die Offenheit des Hauses spürbar wider. Fünf Jahre später eröffnet Karstadt ebenfalls in Leipzig sein neues, rund 30.000 qm großes Haus, nur wenige Meter von Galeria Kaufhof entfernt.  Das Leipziger Haus wurde im September 2006 am historischen Standort des ehemaligen Althoff-, HO- oder auch Centrum-Warenhauses wiedereröffnet und ist mit seiner Außen- sowie auch seiner Innenraumgestaltung als richtungsweisend für eine neue Generation innerstädtischer Warenhäuser zu bezeichnen.

Unter der 300 qm großen Lichtkuppel reicht eine 30 Meter hohe Fontäne vom Untergeschoss bis an die Glaskuppel und ist attraktiver Blickfang für die Besucher. Er steht symbolisch für die Bewegung von Stadt und Handel. Jede volle Stunde schießt die Fontäne zu klassischer Wassermusik in die Höhe. Eine architektonische Besonderheit ist die Schaffung von Licht: in jedem der gut 2.000 Fenster der unter Denkmalschutz stehenden Fassade des ehemaligen Althoff-Warenhauses aus dem Jahr 1914 sind Leuchtkörper installiert, die wiederum von unten neue weiße Rollos anstrahlen,

Mit den Neueröffnungen dieser beiden Magneten hatte auch das ehemalige Konsument- und später Horten-Kaufhaus am Brühl, im Volksmund auch Blechbüchse genannt, als langjähriger provisorischer Stützpunkt von Horten/Kaufhof und später auch Karstadt ausgedient und darf nun einem neuen innerstädtischen Shopping-Center Platz machen. Jedenfalls bleibt dabei die Fassade der Blechbüchse als historischer Zeitzeuge einer eigenen Handelszeit im Stadtbild erhalten. Dieser neue Handelsstandort wird sicher die starke Wettbewerbsachse zwischen dem 30.000 qm großen ECE-Shopping-Center im Hauptbahnhof und dem klassischen Einzelhandel der Innenstadt tangieren.

Mit dem Ausbau des städtischen Handels auf hohem Niveau leisten die Warenhäuser auch einen wichtigen Beitrag zum Zusammenwachsen und zum Angleichen der Lebensqualität in den großen Einkaufsmetropolen unseres Landes.

Die Warenhäuser im Land Sachsen gehören mit den Standorten Chemnitz, Dresden und Leipzig zu den modernsten Warenhäusern beider Unternehmen. Im thüringischen Erfurt hat Karstadt zusammen mit der ECE das ehemalige Hertie Warenhaus am Anger in historischem Gebäude-Ensemble zu einem innerstädtischen Shopping-Center mit Karstadt als Magnet umgebaut. Auch in Karlsruhe wurde das Hertie-Haus gegenüber von Karstadt in ein innerstädtisches Center umgewandelt, mit Breuninger und Karstadt-Sport als Magneten.

In München zeigt Karstadt mit seinem erweiterten Warenhaus Oberpollinger, wie man Stadtkultur und Einkaufskultur harmonisch zusammenführen kann. Die nun insgesamt 53.000 qm Verkaufsfläche an den drei Innenstadt-Standorten entsprechen 6,5 Fußballfeldern. Oberpollinger gehört wie das Alsterhaus in Hamburg und das KaDeWe zur Karstadt Premium Group und wird zusammen mit den Galeria Kaufhof- Filialen am Marienplatz und am Stachus die Anziehungskraft der Münchener City weiter steigern. Das 30.000 qm große Hertie-Haus am Hauptbahnhof wird im Oktober 2007 umgebaut und dann auch den Namen Karstadt tragen.

Auch in kleineren Großstädten bewegen die Warenhäuser das Bild der Stadt. Sie werden zu Bausteinen einer neuen Stadtentwicklung. Beispiel Aachen: Hier ist es durch die Erweiterung der neuen Galeria und dem eingeschlossenen Neubau von Saturn gelungen, einem ganzen City-Bereich ein neues und attraktives Gesicht zu verleihen. Durch die Aufwertung und planerische Verbindung des Bereichs zwischen Elisen-Galerie und Warenhaus werden ganz neue Frequenzströme ermöglicht.

Die durch den Umbau gestiegene Attraktivität und Reichweite des Einzugsgebietes wurde zum Impulsgeber für weitere Investitionen im Umfeld des Hauses. Neue frequenzstarke Anbieter siedelten sich an, wie z.B. Zara, S.Oliver. New Yorker und Görtz sind dabei, die freiwerdenden Flächen von Woolworth zu nutzen, um ebenfalls in die starke Fußgängerzone zu kommen.

In Wiesbaden hat Karstadt vor zwei Jahren sein Haus neu strukturiert. Das ehemalige Hertie-Haus wird zurzeit zum Luisen-Forum umgebaut als deutliches Gegengewicht zum gerade am Hauptbahnhof eröffneten Lilien-Carré von Multi Development.

Und auch in Zukunft werden die Investitionen der Warenhäuser das Bild der Innenstädte prägen. So wird in Frankfurt die Galeria Kaufhof an der Zeil eine Kombination von Stein und Glas die Kunststoff-Fassade ersetzen und damit ein architektonischer Blickfang am Entrée der Fußgängerzone geschaffen.

Viele weitere Beispiele ließen sich nennen, die beweisen, dass die Warenhäuser heute eben und auch morgen noch lebendig sein werden. Viele Namen sind aus dem deutschen Handelsbild verschwunden, auch ausländische, die den Sprung in den harten deutschen Wettbewerb meist vergeblich riskierten und von Blessuren nicht verschont blieben, von Marks und Spencer, über Fnac, Gap und Sephora bis hin zu Continent und Wal-Mart.

Die Warenhäuser werden in ihrem Leistungsspektrum den Erlebnis- und Entertainment-Charakter noch stärker herausstellen, ohne dabei aber ihre ursprüngliche Aufgabe der Vermittlung von Produkten und dem Angebot von Problemlösungen für ein breites Warenspektrum aus dem Auge zu verlieren. Sie werden dazu das Warenhaus noch stärker als Marke verkaufen.

Der Wunsch der Kunden, das Kaufhaus als Erlebnisraum zu erfahren, wird nach immer neuen Inszenierungen verlangen, die mehr Musik, Literatur, Kleinkunst, Theater, Kunst und Sport in die Häuser bringen werden. Was aber seit Leonhard Tietz‘ und Rudolph Karstadts Zeiten unverändert blieb, ist der Auftrag an jede einzelne Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter: Vertrauen und Sympathie schaffen.

Warenhäuser haben ihren traditionellen Standort-Schwerpunkt in der Innenstadt oder größeren Stadtteilzentren. Aber sie sind auch in vielen Shopping-Centern als Magneten und Pole gefragt. So im Bochumer Ruhrpark, im Oberhausener CentrO oder dem Mülheimer Rhein-Ruhr-Zentrum,  um nur einige bekannte Beispiele aus dem Ruhrgebiet zu nennen. Und mit den im Bau befindlichen innerstädtischen Centern in Duisburg und Essen werden in Partnerschaft von Warenhaus und Einkaufscenter neue Stadtschwerpunkte geschaffen. In Hamburg sind das Elbe-Einkaufszentrum und das Alstertal-Einkaufszentrum gute Beispiele für die Weiterentwicklung von Centern und ihren großen Partnern der Warenhäuser, ebenso wie das Main-Taunus-Zentrum bei Frankfurt, das umsatzstärkste Einkaufszentrum der ECE. Die Anziehungskraft des Olympia-Einkaufszentrums in München lebt von der Kraft der Warenhäuser Kaufhof und Karstadt.

Warenhäuser und Shopping-Center haben vieles gemeinsam. Die Faszination beider liegt in der Vielfalt von Waren und Marken. Die Besucher können flanieren, einkaufen, Erholung finden, essen und trinken. Die Gestaltung der Einkaufszentren hat das Vorbild realer Geschäftstraßen, kann aber die Originalität und Authenzität gewachsenen Stadtlebens nicht erreichen.

Kaufhauskultur 1957, mit Moch Figuren bei Peek & Cloppenburg

Ideal wäre es, die Stärken der Shopping-Center wie Sicherheit, Sauberkeit und Erreichbarkeit mit den Stärken der Stadt wie Persönlichkeit, Tradition und Natürlichkeit zu verknüpfen. Die Einkaufscenter suchen seit einigen Jahren vermehrt auch die Nähe der City. Das Wachstum scheint ungebrochen. Der Markt der Center wird immer differenzierter, die Center-Typen vielfältiger. Neue Akteure versuchen mit innovativen Konzepten im Markt Fuß zu fassen. Dabei müssen die Center-Entwickler und -betreiber weitreichende Anforderungen an Architektur, städtebauliche Integration und standortadäquate Dimensionierung erfüllen.  Sie haben dabei die große Chance, neben den schon traditionellen Mieternamen in ihrem Center auch Raum für  junge Startunternehmen aus dem Handel zu schaffen, die mit Unterstützung der Center-Rahmenbedingungen und des professionellen Managements auch einmal neue Ideen ins Branchenbild der Stadt bringen können. Beispiele für gut integrierte Center sind die Arkaden in Münster oder die 5 Höfe in München.

Der Handel muss sich im Spannungsfeld zwischen wachsendem Wettbewerbsdruck der Städte, stagnierender Nachfrage und attraktiver Alternativen neuer Vertriebsformen vom Internet bis zur Internationalisierung auf neue Wachstumsfelder einstellen.

Tourismus gehört zum Wachstumsfeld von Gesundheit, Freizeit und Mobilität und bietet die Chance, aktive und kreative Marketingkonzepte im Verbund mit dem Handel zu entwickeln. Tages- oder Wochenend-Touristen sowie die Aktivierung von regionalem, überregionalem und internationalem Shopping-Tourismus in den größeren Städten können Impulse für die Erhöhung der Frequenzen in Stadt und Region geben. Der Handel kann mit kreativen Marketingideen und aktiver Einbindung in die öffentliche Tourismuspolitik von den wachsenden Besucherpotenzialen profitieren. Dazu bedarf es aber auch der Ausrichtung der Rahmenbedingungen auf die Ansprüche und Erwartungen der Kunden. Insbesondere sollten sich die Öffnungszeiten an den Wochenenden an den Besuchsfrequenzen und den international üblichen Standards orientieren und in Bezug auf die international üblichen Öffnungszeiten ausgerichtet werden.

Die im wahrsten Sinne davonfliegende Kaufkraft zu kompensieren durch den Gewinn von Shopping-Touristen hätte für alle Vorteile. Die Städte könnten neue Zielgruppen erschließen mit Menschen, die bereit sind, nicht nur ihr Herz für das schöne Deutschland, sondern auch ihre Brieftasche für den attraktiven Handel zu öffnen. Schon heute kommen viele Menschen in die Shopping-Metropolen unseres Landes, z. B. aus England, Spanien, Frankreich, Skandinavien, Russland oder China.

Die Warenhäuser stellen sich mit einer internationalen Ansprache, mit mehrsprachigen Werbeprospekten, Tax-free-Service und Info-Terminals auf die neue multi-nationale Kundschaft ein.

Die Schaufenster-Puppen haben per se aufgrund ihrer Sprachlosigkeit den Vorteil der Internationalität und werden in jeder Sprache gut verstanden.


Über den Autor:

Eberhard Gebauer – hat in Köln Handel, Marketing
und Wirtschafts- und Sozialpsychologie studiert. Er
wirkt und wirbt mit Wort und Schrift für den Kaufhof in
in zahlreichen Projekten, Gremien und Organisationen
zum Thema „Stadt und Handel“. Sein Lieblingsobjekt:
die City-Offensiven von „Ab in die Mitte!“ in fünf Bundesländern.